Bericht über den Aufenthalt in Swasiland August 2014

Bericht über den Aufenthalt in Swasiland August 2014

von Gerhard Grotz

Nach unserem Besuch im Februar 2014 waren wir erneut im August in Swasiland, um uns über die Situation und die Entwicklung von LITSEMBA Medical Outreach zu informieren und die nötigen Schritte für die nächsten Monate zu beraten und einzuleiten (unser Team war dieses Mal: Dr. Magdalene Budach, Kirsten Boie und Gerhard Grotz).
Erneut waren unsere Eindrücke und Erfahrungen widersprüchlich und sehr aufwühlend und bewegend: einerseits unzählige Beispiele für die große Not und unvorstellbare Armut, die uns immer wieder begegnen, andererseits die ermutigenden Fälle von freiwilligem Engagement und großer Hilfsbereitschaft unter den „Dorfbewohnern“ sowie die Motivation und Kompetenz des LITSEMBA-Teams vor Ort. Berührend war die Dankbarkeit für die Spenden und Unterstützungsmaßnahmen, die uns immer gezeigt wurden – und bei uns die Besorgnis, ob wir in den nächsten Monaten so viele Spenden sammeln können, um auf den zahlreich vorhandenen „Baustellen“ helfen zu können.
Ein Lichtblick war, dass wir einen ausführlichen Erfahrungsaustausch mit der regionalen Koordinatorin von „Ärzte ohne Grenzen“ hatten, die den Einsatz und die Kompetenzen unseres LITSEMBA-Teams sehr lobte und als Zeichen der Anerkennung unserer Arbeit uns ab Oktober 2014 ein Krankenfahrzeug übergeben wird. In Absprache mit „Ärzte ohne Grenzen“ werden wir weiter an den von uns betreuten NCPs HIV-Testungen durchführen – übrigens konnten wir erfreut beobachten, dass immer mehr Frauen und vor allem Männer zu den Testungen erscheinen, obwohl  (wie wir an einigen Beispielen erfahren konnten) gerade in ländlichen Gebieten die Angst und die Scham, sich angesteckt zu haben, sehr groß ist.
Somit verfügen wir über zwei Fahrzeuge und können daher noch mehr NCPs medizinisch betreuen. Wir hoffen, dass ab 2015 ein drittes Krankenfahrzeug hinzukommen wird; über den Kauf sind wir mit Rotarier-Clubs im Gespräch und mit Vertretern des Rotary-Clubs Mbabane in Swasiland hatten wir deswegen zwei Besprechungen. Es wäre also in Zukunft möglich, fast alle NCPs regelmäßig(er) zu versorgen. Mehrfach haben wir unser LITSEMBA-Team im Einsatz gesehen und waren sehr beeindruckt, wie freundlich, kompetent, gut koordiniert und ruhig (trotz langer Schlangen und ziemlichem Lärm) sie die Patienten untersuchten, impften, mit Medikamenten versorgten und berieten. Dabei nehmen auch immer mehr ältere Menschen unser Angebot wahr, da die Wege zur nächsten Krankenstation oft zu lang und zu beschwerlich sind.
Nach jedem NCP-Besuch wird von unserem Team ein Report verfasst und am Monatsende ausgewertet und nach Deutschland geschickt – und diese Reports wurden im Laufe der letzten Monate immer umfangreicher, auch weil die Zahl der Patienten zugenommen hat. Zur Unterstützung unseres Teams werden wir Krankenliegen und verschiedene medizinische Hilfsmittel anschaffen. Zudem werden demnächst die meisten NCPs mit Erste-Hilfe-Sets ausgestattet und die dort ehrenamtlich arbeitenden Caregivers werden in einem Trainingskurs in allen Fragen der Ersten Hilfe ausgebildet.
Erfreulich war, dass wir 4 Patenschaften zwischen NCPs und deutschen Partnern (einem Kindergarten, einer Grundschule, einer 7. Gymnasialklasse, einer Buchhandlung) begründen konnten – die Freude darüber war bei der feierlichen Übergabe der Zertifikate bei den NCP-Kindern und ihren Betreuerinnen und Köchinnen sehr groß. Die deutschen Partner haben sich verpflichtet, mindestens drei Jahre lang mindestens 300,00€ jährlich für ihren Partner-NCP zu überweisen; von diesem Geld kann der NCP dann Anschaffungen tätigen, die über die normale Unterstützung hinausgehen. (Die Wünsche der NCPs bisher: Wolldecken, Löffel, Wischmopp, Eimer, Papier für die Kinder.) Wir sind optimistisch (und wünschen uns sehr!), dass in nächster Zukunft noch weitere Patenschaften vermittelt werden können.
Ein weiterer Lichtblick war der Besuch eines NCP im Bau. Tatkräftig und „fachmännisch“ mit Wasserwaage und Zollstock wurde an der Fertigstellung gearbeitet – von Männern, Frauen und Jugendlichen der Gemeinde unter Anleitung eines Maurermeisters. Zufälligerweise fuhren wir an den Folgetagen ungeplant mehrfach an diesem NCP vorbei und konnten feststellen, dass auch in diesen „unbeobachteten“ Situationen viele Personen mit dem Bau beschäftigt waren. Andererseits war dann bedrückend am folgenden Tag der Besuch bei einem noch nicht gebauten NCP (aufgrund fehlender Spenden), der seit langer Zeit „unter Bäumen“ stattfinden muss (nur eine Toilette konnte bisher gebaut werden). Trotzdem betreuen 5 Frauen ehrenamtlich die Kinder und kochen für sie jeden Tag (den Mais und das Gemüse bringen sie aus ihrem eigenen Haushalt mit). Die Hoffnungen sind groß, dass genügend Spenden zusammenkommen, damit endlich auch an dieser Stelle ein NCP gebaut werden kann.
Insgesamt ist die Nahrungssituation in Swasiland im Moment noch nicht schlecht, aber niemand weiß, wie sich die Situation ab Oktober entwickelt, weil dann die Unterstützung durch das World Food Program ausläuft, die Ernte dieses Jahr mager ausgefallen ist und die wirtschaftliche Situation (z.B. Inflation, Arbeitslosigkeit) sich rasant verschlechtert. In vielen NCPs sind zwar inzwischen kleine Gärten angelegt, die sorgfältig gepflegt werden, obwohl das Wasser seit vier Monaten in Flaschen und Kanistern aus den z.T. weit abgelegenen Flüssen herangeschafft werden muss; auch viele Hühner sind angeschafft worden, aber in Notsituationen ist dies nur der bekannte Tropfen auf den heißen Stein. Und die Wassernot ist gerade im Moment groß! Seit vier Monaten hat es keinmal geregnet. Alle hoffen seit langer Zeit auf Niederschlag, damit die Wassertanks der NCPs wieder mit Regenwasser gefüllt sind.
Und noch eine neue Erfahrung haben wir gemacht: von Juni bis August ist Winter – und nachts wird es richtig kalt (in den höher gelegenen Regionen bis zum Gefrierpunkt). Und eine Heizung gibt es natürlich in den Hütten und NCPs nicht. Wir haben daher schon im Juni in vielen NCPs im Rahmen einer „Winterhilfe“ Decken und warme Kleidungsstücke einkaufen und verteilen lassen – und konnten jetzt am eigenen Leibe spüren, dass diese auch im August noch dringend gebraucht werden. Diese Hilfe muss im nächsten Winter (wenn genügend Spenden fließen) fortgesetzt werden, weil wir natürlich nicht alle NCPs auf einen Schlag versorgen konnten.
Und dann noch das Traurigste: wir besuchten zwei Waisen-Familien in ihren völlig baufälligen Hütten – die eine Familie bestand aus einem 11-jährigen Mädchen (Haushaltsvorstand) und ihren 2 jüngeren Neffen, der Rest der Familie war verstorben; die zweite Familie umfasste 2 männliche Jugendliche, auch deren Angehörige waren tot, das Grab der Mutter drei Schritte vor dem Hütteneingang war noch ganz frisch. Man kann dieses Elend nicht beschreiben – wenigstens konnten wir in beiden Fällen größere Lebensmittelvorräte verschenken, aber auch dies hilft ja nicht wirklich weiter. Beide Waisenfamilien brauchen dringend eine neue Hütte. – Wir hoffen, dass wir in solchen Fällen auch in Zukunft schnell helfen können – so wie im Falle einer Witwe mit 2 Kindern, die wir am Ende unseres Aufenthalts besucht haben und deren Haus (für dessen Bau wir nach unserer letzten Reise das Geld zur Verfügung gestellt haben) jetzt kurz vor der Fertigstellung steht. Die Witwe konnte jetzt sogar damit beginnen, eine kleine Hühnerzucht aufzubauen.

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