Bericht über den Aufenthalt in Swasiland 2015

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Bericht über den Aufenthalt in Swasiland 2015

Auf unserer Swasiland-Reise im April und Mai 2015 ging es, wie immer, um verschiedene Arbeitsbereiche. Ausgelassen haben wir diesmal das Thema medizinische Versorgung, da unsere medizinische Leiterin, Frau Dr. Budach, im Februar gerade in Swasiland gewesen war. Nur ein Besuch bei Ärzte ohne Grenzen in Nhlangano hat wie immer stattgefunden.

  1. Patenschaftsprojekt: Mehrere Schulen, Kitas und Privatpersonen in Deutschland haben inzwischen Patenschaften für NCPs (Neighbourhood Carepoints) übernommen und überweisen jeweils jährlich 300 €. Wir haben daher zunächst drei dieser NCPs besucht, um ihren Paten in Deutschland von ihnen berichten zu können. Die NCPs hatten sich von dem Patengeld Decken, eine Matratze für die Kinder und einen Putzeimer samt Wischmopp gewünscht. Die Kinder haben für uns gesungen, wir haben uns mit den Caregivers ausgetauscht und beim Abschied haben uns alle gebeten, wir möchten doch bitte bei der nächsten Reise wiederkommen. Vermutlich ist unser Besuch tatsächlich ein Highlight in ihrem sonst sehr einförmigen Alltag. Inzwischen haben wir übrigens erfahren, dass zwei NCPs von dem Geld, das sie von ihren Paten in Deutschland erhalten, eine Stromleitung legen wollen. Damit werden an den NCPs plötzlich ganz neue Möglichkeiten eröffnet!
  2. NCP-Bau: Im August 2014 hatten wir einen NCP besucht, der seit vielen Jahren im Freien arbeitet, „under trees“. Aus Spendengeldern konnten wir ihm nun den Bau eines Gebäudes finanzieren, das tatsächlich bei unserem Besuch im Mai im Rohbau schon fertig gestellt war. Da die Stürme in Swasiland inzwischen so heftig sind, dass häufig die Dächer der NCPs abgedeckt werden (das Land spürt den Klimawandel inzwischen enorm heftig!), ist dieses Gebäude ein bisschen anders konstruiert als die NCPs bisher.
  3. Der Zamani-NCP, dessen Bau wir im August 2014 beobachtet hatten, hat seine Einweihung gefeiert: Eine eindrucksvolle Feier vor dem neuen Gebäude, um das herum schon ein großer, sehr gepflegter Gemüsegarten und viele Blumenbeete angelegt worden waren. Es gab Reden des Chief, verschiedener Politiker und von Mr. Zulu, dem Managing Director des Projekts, es wurde gebetet und gesungen, und die Kinder haben etwas vorgeführt. Zum Abschluss gab es im NCP für alle eine Mahlzeit. Süßigkeiten wurden nur an die Erwachsenen verteilt. Gerade weil der NCP ja für die Kinder gebaut wurde, war das für uns doch eine etwas merkwürdige Erfahrung.
  4. Wir haben die zwei Hütten angesehen, deren Bau wir im August beschlossen hatten: Für zwei Waisenfamilien, einmal für die elfjährige Gcebile, die mit ihren beiden kleinen Cousins allein lebt und sie aufzieht, einmal für ein verwaistes Brüderpaar (13 und 16). Gcebiles Haus steht schon länger, vom Haus der beiden Jungen stehen erst die Grundmauern.
  5. Außerdem haben wir unser Arbeitsfeld erweitert und uns verstärkt auch um den Bereich Bildung / Lesen gekümmert. Schon im März gab es ja eine „Early Childhood Care and Developement“-Fortbildung für die Caregivers, praktisch so etwas wie eine einwöchige Einführung in die pädagogische Arbeit mit jüngeren Kindern. Die Caregivers sind ja alles Ehrenamtliche aus den Dörfern, die ohne Geld arbeiten, aber auch keinerlei Ausbildung haben.
  6. Zu dieser Fortbildung mit Unterstützung durch das Bildungsministerium Swasiland gehörte u.a. auch das Vorlesen oder Erzählen von Geschichten – wobei deutlich wurde, dass es in Swasiland nicht nur keine Kinderbücher gibt, sondern auch keine Tradition von Geschichten für Kinder. Wenn früher Geschichten für Erwachsene erzählt wurden, konnten die Kinder einfach mit zuhören. Was gibt es also auf diesem Gebiet für Kinder? – Es gibt in Swasiland 13 öffentliche Büchereien, zwei davon haben wir in Manzini und Nhlangano besucht. Die Regale sind halb leer, und es gibt überhaupt keine Bücher in der Landessprache siSwati. Auch die Bücher für Kinder, die sich dort finden, sind auf Englisch, das die Kinder natürlich nicht besser beherrschen als Kinder bei uns. Die Bücher werden nämlich nicht von der Bücherei angeschafft, sondern vom amerikanischen Hilfsprojekt „Books for Africa“ gespendet – es sind bereits gelesene Bücher, z.T. in einem desolaten Zustand. Nach Aussagen der Bibliothekare kommen Menschen aber ohnehin nur in die Bücherei, um zu lernen. Lesen zur Unterhaltung ist praktisch unbekannt. (Dabei muss man bedenken, dass es für die Menschen dort auch kein Fernsehen, Internet, Kino, etc. gibt. Lesen könnte also eine großartige Freizeitbeschäftigung sein, für die man keinen Strom braucht.) – Auch die Schulbibliothek, die wir angesehen haben, war praktisch leer. – Ich bin daher im Kontakt mit der südafrikanischen Leseförder-Organisation PRAESA, die in Südafrika Geschichten in den Sprachen der Kinder – u.a. auch siSwati – ins Netz stellt oder zum Lesen auf Handys (die weit verbreitet sind), so dass sie vor Ort heruntergeladen und vorgelesen werden können. Für viele Entwicklungsländer ist das Lesen auf mobilen Endgeräten plötzlich eine ganz neue Möglichkeit der Unterhaltung.
  7. Außerdem ging es um die Vorbereitung des Wasserprojektes: Im August 2014 hatten wir erlebt, dass viele Kinder an einer Durchfallerkrankung aufgrund der Trockenzeit gestorben waren: Die nahe gelegenen Bäche waren ausgetrocknet und das Wasser musste aus den (vollkommen verschmutzten) Flüssen geholt werden. Wir haben daraufhin Kontakt zum Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit aufgenommen und einen Antrag auf einen 5000–Liter-Wassertank für jeden unserer NCPs gestellt: Das sind dann also insgesamt 100 Wassertanks. Damit stünde Wasser zum Kochen, Hände waschen, Trinken zur Verfügung. Da wir 25% der Kosten selbst tragen mussten, waren wir unendlich dankbar dafür, dass viele Spender uns unterstützt haben! Wir hoffen, dass wir so die Sterberate durch Durchfallerkrankungen bei unseren 5 500 Kindern deutlich senken können. Außerdem können auch die kleinen Gemüsegärten bewässert werden, die viele NCPs anzulegen versuchen, damit es auch Vitamine für die Kinder gibt und nicht nur Maisbrei; und die sonst in der Trockenzeit nicht mehr zu bewässern sind. – Inzwischen werden die Wassertanks an den NCPs aufgestellt, und bei unserem nächsten Besuch werden wir sie ansehen können.
  8. Wie im Jahr 2014 auch haben wir uns um die Winterversorgung der Kinder gekümmert: Der Winter in Swasiland (ca. Mai bis August) ist vor allem in den Nächten sehr kalt (unter 10°, es kann auf den Bergen sogar Schnee geben), viele Kinder haben aber keinerlei warme Kleidung oder Decken für die Nacht auf den Matten in ihren Hütten. Jedes Jahr schaffen wir daher warme Jacken und Decken für ca. 400 Kinder an – bei zurzeit 5 500 Kindern ist das natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

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